„Fly bloody eagle“
Meine zweite Fotoreise führt auf die inneren Hebriden Schottlands, hervorragend geleitet von Marc Graf. Die Isle of Skye mit all seinen bekannten Highlights wie den Felsnadeln vom Old Man of Storr, den Fairy Pools, dem Leuchtturm vom Neist-Point oder der bunten Hauptstadt Portree überrascht mit seiner großen Diversität. Da geht es auf Mull etwas beschaulicher, aber fotografisch nicht minder interessant weiter. Alleine die einzeln geführte Straße auf Mull mit den kleinen Ausweichbuchten und zuvorkommenden schottischen Autofahrern ist erlebenswert. Im Süden von Mull kann man auf die alte Klosterinsel Iona übersetzen um die Jahrhunderte alte Kultur wahrlich zu fühlen, denn das Kloster geht auf 563 n.Chr. zurück. Mich überraschen die weißen Sandstrände, das wunderschöne Meer an der hügeligen Küste Mulls und der Sonnenbrand auf der Stirn, da ich zwar Insektenspray aber keine Sonnencreme mithabe. Warnen muss ich allerdings vor den heimtückischen Minibeißfliegen (den sogenannten „midges“) aus der Familie der Gnitzen. Diese können zur echten Plage werden und führen sogar indirekt zu einem Wassersturz von mir, als ich gemeinsam mit Marc auf der Flucht vor einem solchen Riesenschwarm auf einem nassen Felsen ausrutsche und mitsamt Equipment im Bach abtauche. Sitzheizung im Bus sei Dank ist nicht mehr passiert. Sehr süß hingegen sind die Papageientaucher die wir in unserer kleinen Gruppe abends per Boot exklusiv auf einer Insel besuchen dürfen. Großes Glück habe ich hier mit meiner Platzwahl an den Klippen, denn ein drolliger Puffin bringt mir ständig Sandaale und ich kann auf Grund der Nähe nicht einmal Objektiv wechseln da mein Rucksack entfernt liegt, bis mir endlich auffällt, dass ich auf dem Brutloch des putzigen Vogels sitze. Ich lüfte meinen Hintern ein wenig an und der Kleine huscht mit samt den Sandaalen einfach unten durch zur Brut.
Meine Lieblingsgeschichte der Reise: bei Portree buchen wir eine Adlertour per Boot. Unser uriger einheimischer Kapitän kennt einen Adlerhorst in der steilen Felswand und wirft Fisch ins Meer damit die Adler aus den Klippen fotogen zu uns herabschweben mögen. Leider kommen nur die Möwen und fressen alles zusammen, worauf nach einiger Zeit und vergebener Mühe unser Kapitän langsam die Geduld verliert und schließlich die legendären Worte „fly bloody eagle“ in unverkennbar schottischem Dialekt nach oben ruft.